Ein Flughafentester berichtet vom Probebetrieb

  Dabei sein ist auch hier alles. Die Neugier auf das, worüber die ganze Region kontrovers diskutiert, ist auch bei der durch Fluglärm betroffenen Bevölkerung gewaltig. So haben sich über 20.000 Menschen als Komparse beworben. Das ist der Bericht von Dieter Hummel. Er nahm als Flughafentester teil.   Der Treffpunkt ist die Bushaltestelle gegenüber vom […]

 

Dabei sein ist auch hier alles. Die Neugier auf das, worüber die ganze Region kontrovers diskutiert, ist auch bei der durch Fluglärm betroffenen Bevölkerung gewaltig. So haben sich über 20.000 Menschen als Komparse beworben.

Das ist der Bericht von Dieter Hummel. Er nahm als Flughafentester teil.

 

Baustelle überall

Der Treffpunkt ist die Bushaltestelle gegenüber vom Bahnhof Schönefeld. Wir sollen um 8.30 Uhr da sein. Die Anreise aus dem Königs Park war für mich mit dem PKW am bequemsten. In der Anmeldung hatte ich diese Anreiseart angekreuzt. Das Auto soll ich auf dem Parkplatz P6 parken (in der Einladungsmail stand P7/11). Eine Zeichnung hat es aber richtig beschrieben. Für P6 gab es am Ende einen Ausfahrtschein. Erste Hürde genommen.

Der Weg zur Bushaltestelle war ausgeschildert. „ORAT-Testbetrieb“

An der Haltestelle herrschte schon großer Andrang. Vor dem Einsteigen wurde die Identität mit der Anmeldung von ORAT-Mitarbeitern verglichen. Ich durfte also einsteigen.

 

Die Fahrt ging wieder zurück zum neuen Flugplatz BER. Der Bus wurde bei der Einfahrt zur Baustelle elektronisch registriert. Das Gelände ist noch Baustelle und so sieht es auch aus. Lagerplätze, Baustellencontainer, Fahrzeuge, Bauarbeiter, Sicherheitskontrollen, Platzmeister, Brandschutzposten und nun eine Busladung Tester.

Aussteigen für alle an der Testbasis von ORAT. Das rechte Zelt, ein großes geheiztes Festzelt, ist für uns Komparsen vorgesehenen. Im linken treffen sich die Mitarbeiter von Fluggesellschaften und Bundespolizei. Sie kommen von den alten Flughäfen Tegel und Schönefeld.

Ich muss mich also im rechten Zelt einchecken. Anstellen nach Buchstaben und ausweisen. Dafür gibt es einen Komparsenausweis, grüne Weste, blauen Arbeitshelm und eine Essenmarke.

 

Mit mir sind etwa 300 Komparsen im Zelt und warten auf das Kommende. Die Zeit wird mit Kaffeetrinken und Gesprächen überbrückt. Wie vor eine Urlaubsreise herrscht eine lockere Atmosphäre bis alle mit dem Pendelbus eintreffen. Das Durchschnittsalter der Komparsen liegt bei 60 geschätzten Jahren. Die Jüngeren fallen da schon auf.

Es folgte eine Sicherheitsunterweisung zum Verhalten auf der Baustelle – keine Kabel anfassen, nicht stolpern, nicht rauchen und nicht fotografieren. Das war nur im Zelt erlaubt. Und noch etwas. Die einzige Toilette ist vor dem Zelt. Also aufpassen mit dem Kaffee!

Dann kommt die Einweisung zu zwei Testdurchläufen (Vormittag und Nachmittag) durch ORAT. Das erledigt ein junger Österreicher in charmanter Art. Die ORAT ist ein Unternehmen, was sich mit der operativen Realisierung und dem Umzug von Flughäfen beschäftigt. Der Firmensitz ist am Flughafen München. Referenzen hat sich die Firma u.a. an den Airports  Abu Dhabi, Athen, Bangkok und Brüssel erworben.

 

So jetzt geht es los!

Ich bin also Mr.Dieter Hummel und fliege mit AirBerlin AB1903 11:45 nach Wien. Das ist ja einfach. Keine Grenzkontrolle.

Wir gehen also das erste Mal in das neue  Flughafengebäude geleitet von den ORAT-Service-Mitarbeitern. Erkennbar ist der Service an roten Helmen und Westen. Sie ersetzen die Servicepoints und die Lautsprecheransagen, da beides noch nicht da ist. Über eines der Treppenauf- und abgänge gelangen wir in die Ebene 1. Fahrstühle und Rolltreppen sind teilweise montiert. Was fertig ist, ist mit Folie abgedeckt. Uns empfängt die riesige Check-in-Halle. Viel Glas bringt viel Licht herein. Der Fußboden ist mit grauen Natursteinplatten ausgelegt. Neun Check-in Inseln mit je 6 Schaltern an Vorder- und Rückseite sind in der Halle verteilt. Computer und Anzeigetafeln funktionieren. Unser Weg geht aber noch einmal vor die Tür. Auf der Straße der Ebene 1 (vermutlich Taxihaltebuchten) stehen Container mit Koffern. Also den Kofferwagen mit zwei Koffern beladen und wieder rein.

 

Der geübte Flugreisende betritt die Halle mit Reisegepäck. Wo ist mein Check-in? Der Blick auf die Abflugtafel gibt keine Auskunft zu Flug AB1903. Der Service kann mir auch nicht helfen. Die Mitreisenden sind verwirrt. Die Lösung naht dann wie ein Nummerngirl. Eine nette Servicefrau bringt eine Tafel mit den benötigten Angaben:

AB1903 Wien 11:15  611 bis 626 Gate A34

Die Tafel zeigt noch 3 weitere Flüge an. Alle Tester-Passagiere sind erst einmal zufrieden.

Also weiter geht’s zum Check-in-Schalter. Der war leicht zu finden. Sicherheitshalber wird der Service kontaktiert. Ich stehe richtig. Also warten. In der Warteschlange wird über das Reisegepäck gelästert. Mit solchen Koffern würde ich nicht reisen, meinte da eine feinere Dame. Ja, typisch Frauen, meinte dann ein Herr, das meiste Gepäck, wie im waren Leben. Gelächter…

Warten am Check-in

Am Schalter angekommen gibt es wieder ein Problem. Ich stehe nicht auf der Passagierliste. Oh, was nun. Die nette Frau kennt sich aus. Ein Anruf, die Teamleiterin kann helfen. Jetzt geht es schnell. Koffer auf die Wage gestellt, Kennzeichnung angebracht und schon verschwinden beide Gepäckstücke im Boden.

Check-in

Ich halte meine Bordkarte in der Hand. Guten Flug Herr Hummel. Danke, Tschüss!

 

Die nächste Station ist die Sicherheitskontrolle. Die 36 Kontrollschalter mit Röntgengerät und Metalldetektoren befinden sich an der langen Seite der Halle. Es sind 3 Schalter geöffnet. Die Damen und Herren von der Bundespolizei und Sicherheitsdienst nehmen die Aufgabe sehr ernst. Es gibt Passagier mit verdächtigen Gegenständen, die müssen sie finden. Ich hatte nichts Verdächtiges. Hinter der Sicherheitsschleuse ist es ziemlich eng. Mehrere Passgiere ordnen die Kleidung. Geschafft!

 

Es ist 10.55 Uhr. Nur noch 20 Minuten bis zum Abflug. Auf dem Abflugmonitor finde ich jetzt den Flug AB1903. Es hat sich nichts verändert. Gate A34. Der Weg ist weit. Es geht durch den sog. Marktplatz. Hier ist noch kein Shoppingfeeling. Gerüste und Staub beherrschen den Platz. Hinter dem Marktplatz geht es rechts zu den Gates A1-A36 und links zu B1 bis B36. Wir bleiben auf der Ebene 1. Der Weg ist weit. Die Rollbänder können wir nicht benutzen. An einigen Gates werden die Sitzreihen montiert und aufgestellt. Für uns gibt es am Gate A34 noch keine Sitzmöglichkeit. Das Bording hat schon begonnen. Die Anzeige zeigt den Flug an und die Uhrzeit.

Die Rollbänder sind noch gesperrt

Am Gate A34

Der Blick auf das Rollfeld lässt erahnen, was hier mal los sein wird. Die großen langen Fluggastbrücken zum Besteigen des Flugzeugs strecken sich wie Finger ins Leere. Es gibt noch keine Flugzeuge! Damit ist der erste Testdurchlauf beendet.

 

Wir werden vom Service als Gruppe zurück zum Zelt geleitet. Ein Abschweifen ist nicht möglich. Überall sind Sicherheitsleute mit weißen Helmen. Brandwachen der Feuerwehr beobachten die Arbeiten aufmerksam.

Im Zelt ist nun Mittagspause. Es gibt ein Lunchpacket, sowie Kaffee und Tee. Nach der Mittagspause bekomme ich die nächsten Flugkarten. Da bin ich jetzt Jakub Kowalski und fliege mit easyJet nach Madrid. Die Übung ist einfach. Ohne Gepäck und Speedbording. Aber schneller ging es auch nicht. Gate B36 am anderen Ende ist nun das Ziel. Der Gate von easyJet liegt in Ebene 0 ohne Zugangsbrücke. Das Flugzeug wird wohl dann per Bus erreicht? Aber einen Vorteil hatte das Billigfliegergate. Die Sitze waren schon montiert und konnten benutzt werden.

Verbindung zwischen den Ebene und dem Bahnhof unten

 

Gegen 14 Uhr waren wir wieder im Zelt. Hier gab es eine Überraschungstüte und die Parkplatzausfahrtkarte. Der Pendelbus brachte mich an den Aufgangspunkt in Schönefeld zurück.

Resümee: Der Tag war interessant. Gut war auch, dass ich Wanderschuhe an hatte. Die Wege waren weit. Im Gebäude und im Zelt war es sehr warm. Da war der Rucksack praktisch. Die Organisation war perfekt.

Die Eröffnung ist am 3.Juni 2012. Bis dahin muss noch viel Geschehen. Aber ich glaube, das Wichtigste und Notwendige wird geschafft.

 

Noch eine abschließende Bemerkung zum Fotoverbot im Flughafengebäude:

Es wurde professionell gefilmt und fotografiert. Die Komparsen und die Servicemitarbeiter sind die Darsteller. Gerne hätte auch ich hier einige schönere Fotos gezeigt. Meine Aufnahmen wurden mit dem Handy gemacht. Das hat aber nichts mit Fotografieren zu tun.

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EIN KOMMENTAR ZUM ARTIKEL

  1. pur hat diese Worte am 12. Mai 2012 hinzugefügt| Permalink

    Nun ist ja seit dem 8.5.12 bekannt, dass die Flughafeneröffnung verschoben werden muss. Es sollen Branschutzgründe sein. Dann sollte mal Dank an den Brandschützer- Willy Brandt gesagt werden. Noch ein ruhiger Sommer und Herbst(?) für den Königs Park bezüglich Fluglärm.

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